Dipl.-Ing. Klaus Schlingmann
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
oder direkt an:
Luftwaffenmuseum der Bundeswehr
Herrn OTL Ralf-Gunter Leonhardt
Kladower Damm 182 - 188
14089 Berlin-Gatow
................................................................................................................................
Zur Diskussion gestellt:
Wann bleibt ein restauriertes Flugzeug ein Original?
Die erfreulich zahlreichen Bauprojekte zur Deutschen Luftfahrt führte bei Daedalus zu einer heißen Kontroverse. Was immer aus Scheunenfunden, Wrackteilen oder Schrott restauriert wird, wann verdient das Ergebnis die Bezeichnung Original?
Bei Wrackbergungen wird nur ein Teil, ein sehr kleiner Teil, der Original-Substanz verwendet. Die meisten Bleche, Rippen usw. dienen nur noch als "Schnittmuster" für die Neuanfertigung. Genau genommen wird bei Restaurierungen dieser Art ein Neubau vorgenommen. Oft sind die Original-Wrack-Teile so zerstört, oder fehlen völlig, daß auf Pläne oder Nachkonstruktionen zurückgegriffen wird. Man erhält also einen "Nachbau mit Originalteilen".
Natürlich sollte so viel alte Substanz erhalten bleiben, wie möglich, aber wieviel wenigstens? Bei persönlichen Gesprächen war dann zu erfahren "na, mindestens die Hälfte muß wirklich Original sein!", aber welche Hälfte und wovon? Wir finden die Frage nach der verbindlichen Definition des Begriffes "Original"-Flugzeug so wichtig, daß wir diese hier zur Diskussion stellen möchten. Wenn Sie sich eine Meinung dazu gebildet haben, können Sie uns Ihre Gedanken per eMail gerne mitteilen. Ihre Meinung ist uns wichtig, wir werden diese dann weitergeben, so daß sich ein Bild ergibt, was Andere so vertreten und ob sich eine übergreifende Haltung zum Thema "Original" heraus kristallisiert.
Was ist ein Original ?
Dieses Diskussionspapier können Sie hier in DIN A4-Größe laden DaedalusDetail-Original?
Fall 1 bis 3:
Irgendwo zwischen diesen drei Annahmen bewegen sich die meisten Restaurierungen. Wenn wir diese Regeln aber einmal für exakt 50% anwenden, wird die Bezeichnung “Original” für das Restaurierungs-Produkt zur Farce. Was in vielen Museen steht, darf eigentlich nicht als Original vorgestellt werden!
Fall 4:
Es stellt sich die grundsätzliche Frage, wenn ich aus vier Originalen ein neues schaffe, welches der vier ist dies dann, und wo sind die anderen drei geblieben? Und man muß schon außerordentliches Glück haben, sollten für diese Aktion mehrere Flugzeuge des exakt gleichen Typs zur Verfügung stehen. Wir bauen ja nur ein Original so zusammen, wie wir es uns vorstellen. Das dies auch gewaltig schief gehen kann, sieht man im Deutschen Museum, das einen Lilienthal-Doppeldecker zeigt, der zwar aus Originalteilen zusammengesetzt wurde, aber so nie (vorher) existiert hat.
Auch wenn es zuerst zum Schmunzeln reizt, die wichtigsten Punkte unserer Diskussion sind Nummer 5 und 6.
Fall 5:
Otto Lilienthal hat nicht alle seine Gleiter eigenhändig gebaut, teilweise taten dies seine Mitarbeiter. Diese, von Angestellten gefertigten Flugzeuge heißen heute “original Lilienthal-Gleiter”. Etwa dreißig Jahre nach Lilienthals Tod wurde ein Ballen mit Stoff entdeckt, den er damals für seine Gleiter gekauft hatte. Ein Mechaniker, welcher einst die Maschinen mitbaute, schnitt Weidenruten an der Stelle wie früher, ging in die alte Werkstatt und schuf mit den originalen Werkzeugen und Kleinteilen einen Gleiter. Wie drei Jahrzehnte zuvor wurde dieses Stück lange Zeit als “Original” gehandelt. Was genau unterscheidet nun einen Gleiter, der zu Lebzeiten Lilientahls entstand, von einem später gebauten?
Fall 6:
Das Duplikat-Problem ist zwar ein extremes Gedanken-Experiment, zu dieser Überlegung liegt aber die konkrete Entscheidung eines Deutschen Gerichts vor!
In einer Ausstellung des Künstlers Joseph Beuys hielt 1988 eine Putzfrau seine berühmte “Fettecke” für Abfall und entsorgte das mehrere zehntausend Mark teure Stück. Bei der Verhandlung um Schadensersatz hatte sich das Gericht mit der Frage nach der Natur von Originalen zu befassen. Der Künstler, als Zeuge geladen, gab an, natürlich könne er wieder fünf Kilo Butter besorgen und diese in eine Zimmerecke klatschen. Niemand würde diese Neuschaffung von der vernichteten unterscheiden können. Was aber die verschwundene Fettecke einmalig gemacht habe, sei der “kreative Akt des Schaffens”, das Original sei durch den Prozeß der Entstehung einmalig geworden und daher nicht reproduzierbar. Das Gericht schloß sich dieser Meinung an, der Schadensersatz wurde in Höhe des Kunstwertes und nicht nur für fünf Kilo Butter festgesetzt.
Auf unser Gedankenexperiment bezogen heißt dies, selbst wenn in dem Duplikat der Außerirdischen die Fingerabdrücke des Piloten zu finden sind, wir wissen, daß dies nicht das Original ist. Seine Entstehung macht es zur Kopie!
Läßt sich die Frage, ob wir etwas als Original anerkennen, daher nicht durch Abzählen oder Abwiegen von Einzelteilen klären, wird sie eher von unserem Gefühl beantwortet?
Nur so als Anmerkung: Wenn man einen Freund nach mehreren Jahren wieder trifft, so sieht man nach den Richtlinien der Museen einen Fremden. Keine der Zellen, aus denen er vor ein paar Jahren bestand, ist jetzt noch vorhanden. Nur seine äußere Form und sein Verhalten sind geblieben. Jeder Mensch wird immerzu zum lebenden Duplikat seiner selbst.
Hier noch einmal der Hinweis: Bitte senden Sie uns Argumente - Ihre Meinung ist wichtig !
Uwe W. Jack
................................................................................................................................
Wir suchen Informationen:
Unbekannter Flammendämpfer