Daedalus Berlin - Historische Luftwaffen Technik



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Der Tankanhänger von Tempelhof

Ein schönes Stück Luftfahrtgeschichte ist nach Gatow gelangt. 1993 wurde ein kleiner Tankanhänger von den im Abzug befindlichen Amerikanern auf dem Flughafen Tempelhof verschenkt. Einem sachkundigen Betrachter waren die ungewöhnlichen Räder aufgefallen. Wie sich schnell herausstellte waren es Focke Wulf FW 190-Räder.
Beim recherchieren der Geschichte des Anhängers blieben große Lücken offen, sie stellt sich bislang so dar:
Etwa ab 1934 werden die drei Fokker D VII-Nachbauten der Trumpf-Staffel in Tempelhof durch einen Lehrling des „Flughof Basser“ immer nachmittags betankt. Die Trumpf-Maschinen fliegen in der Abenddämmerung tief über dem Berliner Stadtzentrum Werbung für die Schokoladenmarke. Ihre unteren Tragflächen sind durchsichtig bespannt, Glühbirnen ergeben den Schriftzug „Trumpf“. Zum Tanken zieht der Lehrling den kleinen gelben Tankwagen mit einem Elektrotraktor vom Flughof auf das Flugfeld. Der Flughof befand sich am südöstlichen Ende des Flugplatzes, etwa in Höhe des jetzigen Schwimmbades Columbiadamm.


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Oben: Die Vorderseite, von der wahrscheinlich der Pumpenanbau entfernt wurde. Die Kalotte, welche hier mit TCA (Tempelhof Central Airport) beschriftet ist, war einmal schwarz gestrichen, ebenso die Deichsel.

Als der Lehrling ausgelernt hat, zieht es ihn zur Luftwaffe, beim KG 51 übersteht er den Krieg. Den kleinen Tankwagen hat er natürlich aus den Augen verloren, glaubt ihn jedoch in dem amerikanischen Exemplar wieder zu erkennen. Gegen Ende des Krieges werden in den Untergeschossen des riesigen Flughafengebäudes FW 190 repariert. Die instandgesetzten Maschinen machen ihren Abnahmeflug von Tempelhof aus und werden dann zu den Verbänden überführt.


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Oben: Die Rückseite des Tankwagens war vermutlich schon immer ohne Anbauten.

Jede Menge Teile ausgeschlachteter Flugzeuge liegen im Gelände herum und müssen nach Kriegsende entsorgt werden. Vermutlich hat unser Tankwagen Schwierigkeiten mit seinen Scheibenrädern bekommen, so dass ihm kurzerhand überzählige Räder der Focke Wulf verpasst wurden. In diesem Zustand wurden sicherlich die auf dem Vorfeld startbereit stehenden Maschinen durch den Tankwagen betankt. Versuchs-Schleifungen haben keine Tarnfarbe hervorgebracht, wahrscheinlich war der Anhänger sein ganzes „Leben“ lang knallgelb gestrichen, wobei die vordere Tankkalotte und die Deichsel einen schwarzen Anstrich trugen.

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Oben: Flugschüler beim Betanken einer französischen Beutemaschine. Der Tankanhänger ähnelt dem in Gatow. Die Deichsel ist aber anders, der Tank ruht auf einer Plattform und alle Anbauten befinden sich auf der Oberseite. Schwach ist der Schriftzug "SHELL" zu erkennen, also war dieses Exemplar auch gelb gestrichen.

Die sowjetischen Truppen, welche den Flugplatz eroberten, haben den Tankwagen entweder selbst für ihre Flugzeuge benutzt oder ihn einfach ignoriert. Erst amerikanische Soldaten führten ihn einer neuen Bestimmung zu. Alle Anbauten, wie Pumpe oder Schlauchablagen wurden entfernt. Für fast fünf Jahrzehnte wurden die Grünanlagen des Flughafens durch unseren Tankanhänger bewässert. Die breiten Reifen richteten in den Bepflanzungen wenig Schaden an, so konnte das Wägelchen bis heute überleben.

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Oben: Die FW-Räder führten zur Entdeckung des Wagens, sie waren vermutlich eine Notlösung.
Unten: So sieht der Wagen an der Oberseite aus.

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Auf einem Foto wird eine FW 190 gerade von einem Tankanhänger aus betankt, der unserem stark ähnlich sieht. Da das Luftwaffenmuseum gerade eine FW 190 A-8 restauriert, wäre es eine feine Sache, Flugzeug und Anhänger zusammen auszustellen.

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Oben: Betanken einer FW 190 A-3 von einem Tankanhänger aus, der unserem Exemplar entspricht.
Unten: Der Gatower Anhänger aus ähnlicher Perspektive, die Schlauchablagen fehlen und die Scheiben-Räder sind jetzt ersetzt.

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Bitte helfen Sie !

Wir suchen Unterlagen über diese Art von Tank-Anhängern. Wenn Sie Zeichnungen, Fotos oder Beschreibungen haben, oder Jemanden kennen, der sich für Bodenfahrzeuge der Luftwaffe interessiert, so geben Sie uns doch bitte Bescheid. Helfen Sie mit, ein kleines Stück Luftfahrtgeschichte wieder erstehen zu lassen !



Text: Uwe W. Jack
Alle Fotos: mit freundlicher Genehmigung des Luftwaffenmuseum der Bundeswehr Berlin-Gatow